Pieks, der Igel

Pieks, der Igel, wurde uns an einem Sonntag-Nachmittag im August gebracht. Ein Mädchen hatte ihn im Garten gefunden, er war völlig apathisch und lief nicht weg. Außerdem hatte er "merkwürdigen Schaum vorm Mund", wie das Mädchen sagte. Uns war sofort klar, dass dieser Igek krank ist und schneller Hilfe bedurfte.

Pieks sah zwar noch ganz passabel aus und hatte sein volles Gewicht, doch allein der Schwarm Fliegen, der sich sofort um seinen Transportbehälter herum versammelte, verriet nicht gutes. Denn Fliegen, die ihre Eier ablegen wollen, suchen sich dafür gezielt verletzte, kranke oder geschwächte Tiere.

Foto: mikeman 
Fliege auf der Lauer...

Diese Fliegen, seine matten Schlitzaugen und die Tatsache, dass er am helllichten Tage mitten auf der Gartenwiese herunlag und sich kaum bewegte, waren dei Alarmzeichen, dass es mit ihm zu Ende gehen würde, wenn das Mädchen ihn nicht gefunden und mitgenommen und er keine fachkundige Hilfe bekommen hätte.  
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Wir bitten jeden Tierfreund, uns alle Igel sofort zu uns in die Praxis bringen, die folgende Kriterien erfüllen:

- Alle verletzten Igel und alle, die sichtbar von Parasiten befallen sind.
- Alle verwaisten Igelsäuglinge und tagaktive Jungigel unter 200 Gramm.
- Abgemagerte Igel, die vieleicht irgendwo versehentlich eingeschlossen waren oder aus anderem Grund kein Futter finden konnten.
- Kranke Igel, die tagsüber herumlaufen, apathisch herumstehen, sich kaum einrollen, unterkühlt sind oder voller Parasiten.
- Noch im Spätherbst sichtbar untergewichtige Igel unter 500 Gramm.
- Igel, die nach Wintereinbruch bei Frost und Schnee immer noch herumlaufen.

Um solchen Tieren sachgerecht zu helfen, genügt Tierliebe allein nicht! Als Tierarztpraxis, die schon seit 25 Jahren verwaiste, kranke und verletzte Tiere aufnimmt und pflegt, haben wir viel Erfahrung im Umgang mit stachligen 'Problemigeln'. Und unsere Igel-Mama kennt alle Tricks, die ehemaligen Patienten gut durch den Winter und sicher ausgewildert zu bekommen.

Eine Bitte haben wir jedoch noch: sagen Sie uns genau, wo Sie den Igel gefunden haben. Denn Igel haben ein gutes Ortsgedächtnis und finden sich in ihrer alten Umgebung auch im nächsten Jahr deutlich besser zurecht als in einer neuen. Wir werden den Igel dann genau dort wieder in die Freiheit entlassen.                                   
Siehe auch: Wissenswertes / Igelpflege

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Doch nun zurück zu Pieks, dem Igel

Es dürfte kaum Igel ohne Zecken geben. Pieks hatte sechs von ihnen. Wir packten die kleinen Blutsauger mit der Pinzette am Kopf und zogen sie ruckartig heraus. Gegen Igelflöhe, Milben und andere Hautparasiten hilft unsere bewährte Puderbehandlung, die den Tieren sehr schnell Linderung verschafft.

Die größte Gefahr droht den Igeln jedoch durch Fliegenmaden, denn die würden das Tier bei lebendigem Leibe auffressen, wenn wir nicht alle gründlich entfernen. Deshalb haben wir alle Fliegeneier sofort mit einer speziellen Pinzette entfernt. Sie sehen aus wie klumpige Mini-Reiskörner. Pieks hatte schon so viele davon rund um Mund, Nase und Augen, dass es in der Tat wie „Schaum vorm Mund“ aussah. Gott sei Dank waren noch keine Maden geschlüpft, so dass es nicht nötig war, auch seine Körperöffnungen danach abzusuchen.

 
Pieks mit seinem "Schaum vorm Mund"

Doch wir sahen sofort, dass er Lungenwürmer haben musste, denn er atmete schwer, bekam kaum Luft und seine Nase lief. Ständig bildeten sich beim Ausatmen kleine Blubberblasen. Das sieht zwar lustig aus, damit ist aber auf keinen Fall zu spaßen. Pieks bekam seine Lungenwürmer-Spritze und dann etwas Katzenfutter in seinen Korb. Nicht fehlen durfte ein Gazeumhang, der ihn vor den immer noch um ihn herumschwirrenden Schmeißfliegen schütze. So behandelt und abgeschirmt von den fliegenden Quälgeistern konnte die Nacht kommen.  Mehr dazu

Fliegenmaden, die Piranhas der Wiesen und Felder

Morgens war die Hälfte des Futters weg und uns schauten wieder runde, schwarze Knopfaugen an, statt der matten Schlitze vom Vortag. Pieks hatte richtig Glück, dass das Mädchen ihn so früh entdeckt hatte. Zwei- oder drei Tage später wäre er viel schwerer zu Retten gewesen und wenn alle Fliegeneier geschlüpft werden, hätte er höchstens noch eine Woche zu leben gehabt und wäre in den letzten drei Tagen qualvoll bei lebendigem Leibe aufgefressen worden.

So aber war er nach nur einer Nacht schon wieder so fit, dass wir ihn zu unserer Frau Grunwald bringen konnten. Da die Aufzucht und Pflege von Igeln eine durchaus langwierige und zeitraubende Aufgabe ist, die sich nicht selten auch über den ganzen Winter ersteckt, sind wir sehr froh, in unserer Praxis schon seit über 20 Jahren eine "Igel-Pflegerin" zu haben. Alleine würden wir das nämlich kaum schaffen. Herta Grunwald hingegen kriegt sie alle wieder propper und fit für die Freiheit. Und Sie hat auch schon so manchen Stachelkameraden gut durch den Winter gebracht.   

Unsere Igel-Mama Haerta Grunwald mit dem gereinigten, entwurmten und wieder fit gemachen Pieks. Frau Grunwald pflegt seit Praxisgedenken unsere Igel. In den vergangenen knapp 25 Jahren sind sicher schon knapp hundert stachlige Patienten durch ihre fachkundigen Hände gegangen, um dann an sicherem Ort wieder gesund, munter und gut genährt in die Freiheit entlassen zu werden.

Kontakt

Tierarztpraxis Dr. Renate Lorenz

praxis@tier-arzt.berlin

Oberhofer Weg 68
12209 Berlin - Lichterfelde
neue Webseite:
http://www.tier-arzt.berlin

Berlin: 711-63-57
Telefon: + 49 (030) 711 63 57

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Unsere Igel-Speisekarte

Igel sind Insektenfresser, sie fressen Käfer, Raupen, Würmer, Maden, Schnecken, Asseln und was sie sonst noch erwischen können. Auch Äpfel schmecken Ihnen oft recht gut. Anderes Obst oder Gemüse kommt bei ihnen entgegen landläufiger Meinung nicht auf den Teller.

Was bei Herta Grunwald in den Igel-Napf kommt: 

Unser Tipp: Bitte füttern Sie keine lebenden Tiere, auch wenn sie sonst auf dem Igel-Speiseplan stehen.

In menschlicher Obhut gehaltene Igel, besonders wenn sie geschwächt oder gar verletzt sind, sollten nach der tierärztlichen Erstbehandlung und der Entwurmung nicht mit Parasiten-Überträgern wie Schnecken oder Würmern gefüttert werden, denn dann können sich neue Parasiten einnisten.

Weil es Dr. Lorenz mit Pinzette wollte,
dass sich der gute Igel Pieks erholte,

Dachte sie so hin und her,
dass es wohl das Beste wär'

Schon die Eier, die hinieden,
auf den Igel ausgeschieden

Auf die Schnelle und mit Bedacht
sorgfältig aus dem Pelz verbracht

... und vom ganzen Madenschmaus
schaut nur noch ein Ei heraus.

(frei nach Wilhelm Busch)

Unser Pieks nach der Eier-Reinigung.

Wer findet das letzte Ei? 

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