Muc-Muc und der Pfeil Amors

„Wir bekommen heute ein neues Kaninchen“, trällert Renate Lorenz fröhlich in die Runde, „der Bauer aus dem Nuthe-Urstromtal bringt es uns vorbei." Gedacht als Braten-Dankeschön fürs Impfen seiner 30 Langohren konnte Renate Lorenz ihn gerade noch davon abbringen, ihm das Fell über die Ohren zu ziehen, wie es der gute Landmann eigentlich vor hatte. Also zaubert er besagtes Kaninchen lebendig aus dem Hut mit einem fröhlichen „Nochmals schönen Dank auch, Frau Doktor! Lassen Sie es sich dann mal schmecken. Na ja ... oder was immer Sie damit tun wollen.“ Renate Lorenz nimmt das Kaninchen aus dem Korb, kuschelt es in der Armbeuge und streicht ihm sanft über die genießerisch angelegten Löffel, während das Bäuerlein amüsiert ob so viel unverblümter Sentimentalität ihr über die Schulter linst. Nur einer ist im Augenblick noch außen vor. Hirtenhund Muc-Muc mit frisch gebügeltem „Top“ am Hals wedelt ungeduldig mit dem Schwanz und schlägt Haken – wie es sonst nur Hasen und Kaninchen tun – auf dem gefliesten Boden. Dann verschafft er sich, mit seiner feuchten Schnauze zwischen die Beine der anderen drängend, Zutritt zu dem erlauchten Kreis, schnuppert an dem schwarz-weiß bepelzten Neuzugang und stupst diesen freundlich mit der Nase. Darauf folgt ein langer, intensiver, triefender Zungenschlag quer durch das irgendwie doch perplexe Gesicht des noch namenlosen Geschöpfes und ein – es ist nicht zu glauben – verliebter Augenaufschlag, der diesem riesigen, Respekt einflößenden, rumänischen Hirtenhund etwas geradezu Menschliches gibt. Sollte Amors Pfeil einmal mehr sein Ziel nicht verfehlt haben?

Doch die Dame weicht ihm aus, indem sie mit einem grazilen Haken unterm Schreibtisch in Sicherheit bringt. Muc-Muc lässt es geschehen, folgt ihr unauffällig und legt sich wachsam ihr zu Füßen, während Susi dem Kaninchen ein altes Handtuch und eine Portion grünes Knabberzeug in ihre frisch bezogene „Wohnung“ schiebt. Muc-Muc jedenfalls gefällt's, so wie es ist, und zufrieden legt er die Schnauze auf seine Vorderpfoten, schließt träumerisch-versonnen die rabenschwarzen Augen, um von Zeit zu Zeit prüfend eines für einen kurzen, verliebten Lidschlag lang zu öffnen. Die Dame seines Herzens – inzwischen Katharina die Große getauft – sitzt ob so viel Aufhebens ihr zu Ehren noch etwas verschreckt in der Ecke, doch männlicher Geleitschutz wie dieser scheint ihr auch nicht ganz ungelegen zu kommen, bemühen sich doch auch der prachtvolle Puter Prinz, Bartzwerghuhn Elli und Hahn Silberpfeil neugierig und zielstrebig um ein erstes Kennenlernen der neu in den Kreis der Familie gekommenen Hausbewohnerin. Hirtenhund Muc-Muc jedenfalls passte fortan auf sie auf. So geschah es, wie es bei Himmelsmächten eben so üblich ist, dass Muc-Muc fortan nicht mehr von Katharinas Seite wich. Lammfromm lag er vor ihrem Verschlag, er ruhte mit ihr im Stall und er nahm mit ihr ein Sonnenbad, wenn ihr danach war. Und nicht selten sah man Katharina, wie sie sich in Muc-Mucs schlichte Behausung, einen durchgelegenen Hundekorb mit zerbissenem, kariertem Kissen und abgenagtem Hundeknochen, schlich."

 

Katharina die Große ist 2009 ohne äußeren Eingriff verstorben, doch Wachhund Muc-Muc besucht immer noch regelmäßig die verbliebenen Nager in ihrer komfortablen Stallung.

Übrigens: Muc-Mucs Liebe Katharina die Große ist - sorry... war ein riesiges Kaninchen, dass einige Jahre bei uns lebte.

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