Hans Eichel

Die Natur kennt da nix: Wer nicht mithalten kann, fliegt raus... selbst dann, wenn er noch nicht fliegen kann. So wie dieser junge Eichelhäher. Wegen seines verkrüppelten linken Fußes wurde er von seinen Geschwistern aus dem Nest geworfen. Unten angekommen, stürzten sich sofor die Fliegen auf ihn und legten ihre Eier auf ihm ab.

Gott sei Dank wurde Hans Eichel, wie wir ihn nannten, noch rechtzeitig von einem Mädchen unter einem Busch gefunden und zu uns in die Praxis gebracht. Mittlerweile waren schon die ersten Maden geschlüpft und hatten ihr zerstörerisches Werk begonnen. Denn sie fressen verletzte oder geschwächte Tiere buchstäblich bei lebendigem Leib auf. Hans Eichel hatte rund zwanzig davon im Nacken, unter seinen Flügelstummeln und - das war allen sofort klar - auch schon in den Nasenlöchern. Wir wissen immer sofort, dass Maden auf dem Weg ins Gehirn sind, wenn die Jungvögel aus der Nase bluten, und das war bei Hans Eichel der Fall. Dann ist immer höchste Eile geboten, denn die Maden müssen alle raus, sonst hat das Tier keine Chance.

Unser Neuzugang wird Chefkater Florian vorgestellt

Erstmal jedoch galt es, alle Fliegeneier aus dem Gefieder und von der Haut zu entfernen. Das geht nur, indem sie einzeln abgelesen werden. Die Maden kriegt man dann mit einer Pincette. Das muss im Stundentakt passieren, denn man bekommt immer nur einige zu fassen, während sich die anderen versteckt halten. Nach dem dritten mal haben wir in der Nase nichts mehr gefunden; beim sechsten Durchgang auch sonst nirgendwo mehr etwas.

'Nasenbluten' heißt Maden suchen, 'Nicht Sperren' heißt Zwangsernährung

Hans Eichel hat also gute Überlebenschancen. Allerdings ist das noch nicht endgültig klar, denn der Jungvogel sperrt noch nicht selbständig. Ein klares Zeichern dafür, dass er sehr schwach ist und noch zu angegriffen, um neuen Lebenswillen zu entwickeln. Wir füttern ihn regelmäßig mit Hackfleisch Halb&Halb. Ansonsten hat er einen gemütlich ausgestatteten Katzenkorb zum Ausruhen bekommen, den wir gegen die Fliegen mit einer Gardine umspannt haben.  

P.S. jedwede Verbindung zum namensgleichen Ex-Sparkommissar der Republik solle bitte als rein zufällig angesehen werden. (Die Redaktion)

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Tierarztpraxis Dr. Renate Lorenz

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