eins + eins = 3

Die Hitzewelle 2010 in Berlin ist gestartet und alles schwitzt, durstet und ist entkräftet. An einem sonnigen und sehr heißen Samstag-Mittag - Frau Doktor war gerade in Büsum unterwegs - hörten Susi und ich wie das Schloss zur Tür klickte, und unser Wilhelm raus rannte, laut bellend versteht sich... Wir kennen es ja von unserem Wahnsinnigen nicht anders. Im gleichen Moment sprintete Susi ihm nach und sah auch sofort den Grund für Wilhelms verhalten. Ein Bote der Pin AG hatte sich auf das Grundstück begeben, was ja für unsere beiden Praxishunde ein Riesenvergehen ist.

Der gute Herr sah nur wie ein lauter Wilhelm auf ihn zu rannte und suchte auch sofort auf der anderen Straßenseite Sicherheit, bis er erkannte, dass Susi ihm bereits zu Hilfe eilte. Nachdem der erste Schreck überwunden war, erklärte der junge Mann Susi sein anliegen: Er war gerade auf seiner Tour unterwegs und hat dabei auf dem Gehweg ein kleines, fuchsrotes Flauschbällchen mit einem braunen Rallystreifen auf dem Rücken auf entdeckt. Sofort hat er Halt gemacht. Es stellte sich heraus, dass es ein kleines Eichhörnchenbaby war, das vermutlich aus wetterbedingter Erschöpfung aus dem Nest gefallen ist. Der Bote ist nun in der Hoffnung zu uns gekommen, daß wir dem kleinen Geschöpf irgendwie behilflich sein könnten.

Darum musste er uns natürlich nicht zweimal bitten. Wir sind sofort in die Praxis gegangen haben dort festgestellt, dass es sich um ein Eichhorn-Mädchen handelt, dass es etwa 5 Wochen alt war. Wir haben sie „Jodi“ genannt und erstmal gründlich mit Anti-Parasiten-Mittel eingepudert.

Es stellte sich sehr schnell heraus, dass Jodi es in ihrem zarten Alter schon faustdick hinter den Ohren hatte. Man hat kaum mit dem Appetit des Eichhorns Schritt halten können. Kaum war die Futterzubereitung gemacht, forderte sie schon wieder neuen Milchersatz. Auch fand Jodi, wenn sie nicht gerade an der Flasche hing, den direkten Körperkontakt beim Schlafen viel angenehmer als das eigens für sie hergerichtete Höhlenbett. Ihre dritte wichtigste Tätigkeit war das Erkunden ihres neuen Reiches samt deren dazugehörigen Mitbewohnern. So hat sie schon am dritten Tag einen ausgewachsenen Golden Retriever durch das Zimmer gescheucht. Insgesamt war eindeutig sichtbar, wie sehr sich Jodi in ihrer neuen Situation wohlfühlte. Das Beste für sie sollte aber noch kommen.

Etwa eine Woche später, als ich an einem Montag nicht an der Vormittags-Sprechstunde teilnehmen konnte, und die Kleine deshalb in der Obhut von Frau Doktor und Susi gelassen habe, ist ein Straßenfeger in der Praxis vorbei gekommen und hat einen kleinen, rotbraunen Bruder für Jodi vorbei gebracht. Als ich dann am Nachmittag meine kleine Jodi begrüßen wollte, guckten mich plötzlich vier glänzendschwarze Kulleraugen neugierig und verschmitzt an. Der Zuwachs durch Paul, so hatte der Straßenfeger seinen Prachtkerl genannt, hat Jodi sehr gefreut, denn die beiden haben sich sofort verstanden. Jetzt hatten wir also zwei Hörner in der Praxis, die uns Tag für Tag neu verzauberten... aber auch so sollte es nicht lange bleiben.

Jodi liebt es, behende über Hände zu hüpfen...

Es war der Sonntagmittag, eine Woche nachdem wir Paul bekommen hatten. Ich war mit beiden Hörnchen bei einer Freundin und gerade unterwegs nach Hause, als Frau Doktor anrief. Da ich das Klingeln nicht gehört habe, sprach mir meine Chefin auf die Mailbox: „Nikki, ich hab' ein weiteres Hörnchen bekommen, das ich dir gerne mitgeben würde. Rühr dich doch mal bei mir“, hörte ich kurz später die gute Nachricht. Natürlich bin ich sofort hingefahren und sah dann das kleine schokoladenfarbende Horn, das den dritten Zuwachs in kürzester Zeit bedeutete. "Hexe" wurde von einem älteren Paar bei uns im Oberhofer Weg vorbei gebracht. Sie hatten das Eichhörnchen ebenfalls auf dem Gehweg gefunden. Sie fragten herum, was sie damit machen sollten und nachdem ihnen einer unserer Patientenbesitzer empfohlen hat, ihn zu uns zu bringen, haben sie diesen Rat auch sofort befolgt. Witzigerweise hatte ich genau diesen Mann einige Tage vorher bei Kaufland getroffen und ihm Jodi und Paul vorgestellt, die natürlich mit mir beim Einkaufen waren, genauer gesagt in meiner Hosentasche. So viele Zufälle! So eine kleine Welt!

Mit dem dritten Horn zu Hause angekommen, haben es sich Jodi und Paul auf meiner Schulter bequem gemacht und dabei zugeschaut, wie Hexe ihre erste Mahlzeit bekam. Und die hat zugeschlagen, kann ich Ihnen sagen! Rein gar nichts ist übrig geblieben. Mit ihrem dicken, satten Bauch habe ich sie dann zusammen mit den beiden anderen Bewohnern in den geräumigen Käfig gegeben, damit sie sich aneinander gewöhnen konnten. Doch ich war mir sehr sicher, dass ich mir darüber keinerlei Sorgen zu machen brauchte. Hexe ist vorsichtig und neugierig, wie Eichhörnchen eigentlich immer sind, die beiden anderen zugegangen und und wurde prompt und problemlos in die Bande aufgenommen. Woran man das erkennen kann? Sie wurde sofort von den anderen beiden gesäubert und danach sind die drei in einer einzigen Kugelform eingeschlafen.

Noch wach ... und nun - endlich - eingeschlafen!

Seitdem sind die drei zusammen und hecken noch mehr Blödsinn aus als jeder Einzelne zuvor. Doch immer noch ist es meistens die älteste, also Jodi, die irgendetwas vormacht und die anderen beiden machen es aus Lust und Laune nach. Aber das kennt man ja schließlich auch von anderen Kindern... Am liebsten hüpfen alle auf mir herum oder jagen meine Füße. Das ist immer sehr toll, auch wenn das mit der Zeit eine ziemlich kitzlige Angeklegenheit ist. Am meisten Spass haben sie, wenn sie mich abends gehörig auf Trapp halten können. Gerade dann, wenn der Tag eigentlich zu Ende geht, drehen die drei erst so richtig auf. Einen Schlafplatz suchen sie sich erst dann in meinen Kissenbergen in meinem Bett, wenn ich - man mag es kaum glauben - anfange laut vorzulesen...


Von unserer Hörnermama Nikki.

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