Rainer, sonst keiner

Susi lüftet das Geheimnis ihres beredten Lächelns: „Vielleicht wissen Sie das ja noch nicht. Wir haben hier auch einen niedlichen, kleinen Igel. Unser Flaschenkind Rainer. Den haben wir, wie sein Beiname schon sagt, als er noch klein war, mit der Trinkflasche großgezogen, und leicht schräg, wie so ziemlich alle Tiere dieses Hauses, ist Rainer mit Sicherheit auch. Der Praxisigel Rainer wurde als kleines, weißes und noch blindes Igelchen in einer Kleingartenkolonie in Hermsdorf gefunden. Das Igel-Baby war etwa 6 bis 10 Tage alt.

 

Sein Finder und späterer Namensgeber, ein gewisser Rainer, fragte einen unserer Patienten, was er mit dem Waisen machen solle... und der sagte kurz und knapp: "Zur Doktorin nach Licherfelde bringen..." So kam Rainer zu uns und wurde mit der Flasche groß gezogen. Er wurde darüber so zahm, dass es ausgeschlossen war, ihn nach überstandener Kinderstube in einem Katzenkorb in der Praxis wieder auszuwildern. Also blieb Rainer und lernte, sich im Alltag einer Tierarztpraxis nützlich zu machen. Er transportierte Hundeknochen, ein bisschen unhandlich zwar für einen Igel und auch nicht wirklich nahrhaft, aber ein Muss für Rainer. Denn der stand auf abgenagte Hundeknochen, und deshalb hat er immer dann, wenn unser Haus-und-Hof-Wachdiensthund Muc-Muc nichts davon merkte, einen seiner Lieblingsknochen entwendet. Damit lag er dann irgendwo im Garten herum und knabberte an einem jener zerbissenen Knochen oder schleppte ihn stolz durch die Gegend.

Wie gesagt, er machte sich allenthalben nützlich, biss in Schuhe, verjagte den Wachhund und sorgte für Ordnung im Wartezimmer, wo er sich von den wartenden Patienten sehr gerne und mit Hingabe am Kopf und Hals streichen ließ. Dann reckte er ganz gegen Igelsitte seinen Kopf empor, schloss die Augen und genoss. Er war immer irgendwo unterwegs, jedenfalls dann, wenn er nicht schlief. Damit sich kein Patient verletzen konnte, gab es einen Warnhinweis schon vor der Praxistür: "Vorsicht, frei laufender Rainer".

 

Wer wissen wollte, wo sich der Bursche gerade rumtrieb, der musste ihn nur rufen, denn Rainer war mit Sicherheit der einzige Berliner Igel, der auf seinen Namen hörte. Kein Scherz! Wenn Sie ihn rufen – nicht Karl, nicht Friedrich und nicht Rüdiger, sondern schlicht Rainer, wie es sich gehört, dann kommt er angekrochen, denn er parierte aufs Wort.

Rainer war 7 Jahre lang bei uns und ist im Sommer 2009 in seinem Katzenkorb für immer eingeschlafen.

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