Katzen-Hochstapelei

09.09.2010 23:07

„Wisst ihr noch, Leute?", raunzt Willi mit aufgesetzter Fröhlichkeit und streicht sich dabei über das vollbärtige Kinn. „Damals. Dieser junge Bauer aus Neuruppin, der sich vor Katzen nicht mehr retten konnte? Nur weil er einen Bauernhof hatte und seine Hauskatze pflichtgemäß für ihn auf Mäusejagd ging, warf man ihm irgendwann eine nach der anderen über seinen maroden, windschiefen Bretterzaun. Nach dem Motto: Hier werden sie schon unter kommen und ihr Auskommen finden. Klappte ja auch am Anfang, wenn sie sich nicht alle so lieb gehabt und auch mal an die Familienplanung gedacht hätten, aber irgend wann waren es dann stolze 18 an der Zahl geworden, und der gute Mann mit seinem Hof, der mehr schlecht als recht ging und zum Leben kaum genug für ihn und seine Familie abwarf, kriegte graue Haare, war am Rande eines Nervenzusammenbruchs, da vollkommen überfordert mit der schnurrenden, gefräßigen Meute.“ 

„Stimmt genau“, sinniert die Chefin mit einem bedächtigen Lächeln in die schmunzelnde Kollegenrunde und dann auf mich, da ich in diesem Raum wohl die einzige bin, die diese Geschichte noch nicht kennt. „Das war jedenfalls eine Aktion, die mir nicht annähernd so viel Kopfzerbrechen gemacht hat wie diese hier heute! Bis auf die Straße standen die Katzenkörbe am Anfang, als mir der Bauer in seinem alten, rostigen Lieferwagen die Tiere brachte, um das Ausmaß seines Bestandes endlich mal unter empfängnisverhütende Kontrolle zu bringen. Die Leute aus der Nachbarschaft blieben vor Staunen auf dem Gehweg stehen und kriegten den Mund nicht mehr zu, während wir uns abmühten, 18 Transportbehälter samt fauchendem Inhalt in das Haus zu hieven und im Behandlungszimmer zu stapeln. Ich möcht' nicht wissen, was in deren Köpfen vorging, als wir irgendwie irgendwann die Tür hinter uns schließen konnten. War uns letztendlich auch egal! 

Wir haben gestapelt, was das Zeug hielt und das Raummaß hergab. In die Breite, in die Höhe, in alle Richtungen. Susi war ganz groß – vor allem im Hochstapeln und Ya mit ihren knapp 1,50 laufenden Metern ziemlich schnell aus dem Rennen. In jedem Fall, irgendwann hatten wir es dann doch geschafft. Das war auch gut so, denn wir waren inzwischen schon auf Deckenhöhe angekommen. Rien ne va plus! Und unsere Ya drehte immer noch verzweifelt Däumchen! Der Rest verlief dann wie am Schnürchen oder besser gesagt: am laufenden Band. Eine Katze nach der anderen kam an die Reihe. Ich habe sie geschert und für die Narkose vorbereitet, mein inzwischen ‚Ausgeschiedener‘ hat fleißig operiert und ich habe die Bauchdecken vernäht. Glücklicherweise wurden an dem Tag, als uns jener vom Schicksal arg gebeutelte Bauer die Ehre erwies, keine unnötigen Böcke geschossen, sodass wir am Ende alle Körbe samt Katzen zum Ausschlafen wieder stapeln konnten. In die Breite, in die Höhe, in alle Richtungen – deckenhoch! Und bei Abholung dasselbe noch mal, nur umgekehrt. Ein schweißtreibender Job, aber: Gott, was war dieser Mann froh, als er alle Tiere wieder einpacken konnte, ohne sich jemals mehr einen Kopf darum machen zu müssen, wie er weitere hungrige Mäuler stopfen könnte!“ „Und wie er die Rechnung für diese Aktion bezahlen sollte, ohne auch nur einen müden Euro zu viel in seinem Portemonnaie zu haben“, flüstert Susi, mir auf die rechte Schulter tippend, zu. Denn selbige wurde in der Tat nie geschrieben – kulanterweise auch nicht vom Ex! Wie dem auch sei: Seit diesem Tag macht sich besagter Bauer aus dem nicht gerade nahe gelegenen Neuruppiner Land, wann immer eine seiner Katzen ein Wehwehchen plagt, auf den Weg nach Lichterfelde, um sie – was denn sonst – von seiner Tierärztin behandeln zu lassen.

 

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