Das kollegiale Duett

10.09.2010 23:36

In einer ruhigen Minute hat mir Susi aber noch etwas anderes anvertraut: Nämlich das, was ihr erst gestern passiert ist, als sie sträflicherweise im Röntgenraum nebenan vergessen hatte, den Wasserhahn des Waschbeckens zuzudrehen. Mit dem Erfolg, dass die ganze Praxis innerhalb kürzester Zeit fast geflutet wurde und sie nach erfolgter Wischaktion des gekachelten Fußbodens und Chefins saloppem Kommentar - „Endlich hat mal wieder jemand richtig saubergemacht!“ - noch immer ihren Job hatte. Das wiederum wundert mich nicht einmal insgeheim und die Patienten des Hauses wohl auch nicht, denn Susi, die ihre Chefin strikt siezt, ist eine echte Perle und nach der dreijährigen Ausbildung zur Tierarzthelferin auch flugs von Renate Lorenz „für den Rest ihres Lebens – vielleicht ...“ eingestellt und zum festen Bestandteil der Praxis geworden.

Susi - Alias Susanne Schubert im Wartezimmer.

Dabei hatte sich diese Entwicklung im kollegialen Duett schon vor einigen Jahren abgezeichnet. Denn im Sommer 2004 zog es Renate Lorenz während ihres Urlaubs ins sonnenverwöhnte Rumänien, wo sie in den Bergen auf Braunbären-Expedition gehen wollte. Auch Susi – sprich Susanne Schubert – aus Dresden-Bülau hatte damals dieselbe Idee. Nur ohne Bären. In jedem Fall: „Go east“ lautete das Reisemotto, und beide, einander noch unbekannt, machten sich auf den Weg. Renate aus Berlin-Lichterfelde in ihrem bunten Turbo Geländewagen mit Koffer und Kamera im Gepäck und Susi aus Sachsens Elb-Florenz per Deutsche Bundesbahn. Der Urlaub war gelungene Erholung für jede der beiden. Bis zu dem Tag, als es hieß: Postkarten schreiben an die lieben Daheimgebliebenen. So begab es sich damals im Sommermonat August, dass sowohl Renate Lorenz wie auch Susi sich zu mittäglicher Stunde zwischen Toilettenpapier, Kaugummi, Papierwaren und Schnickschnack auf der Post des Örtchens Zerneste zum ersten Mal begegneten, um besagte bunt bebilderte Grußkarten samt Briefmarken zu erstehen. Was bis dato kein allzu schwieriges Unterfangen war, denn: Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte ...

Brenzlig jedoch wurde es an der Kasse, als es darum ging, die zugehörigen Briefmarken beim ungeduldigen Personal zu ordern. Susi, die Karten von links nach rechts drehend und des Rumänischen nicht mächtig, stand hier ziemlich hilflos gestikulierend am Tresen, als Renate Lorenz sie aufgabelte und mit ihr ins Gespräch kam. Sie selbst, die seit Jugendtagen fließend Italienisch spricht – neben Englisch, Französisch, Rumänisch, Spanisch und Brasilianisch, was wahrscheinlich niemanden wundert – sprang hilfreich in die sprachliche Bresche und dolmetschte mit Erfolg. Am Ende hatten beide, was sie wollten, und obendrein innige Freundschaft geschlossen. Man zog also fortan gemeinsam um Zernestes Häuser, was nicht ohne Konsequenzen blieb. Denn hinter einer dieser Häuserwände trafen sie auf einen ramponierten und arg zerbeulten Pappkarton, dessen kläglich wimmerndes Innenleben es in sich hatte. Der brisante Fund: ein junges, achtlos ausgesetztes und schon reichlich abgezehrtes Hündchen, welches nach seiner Mama jaulte.

Das zarte Wesen, seines Zeichens Hirtenhund im pechschwarzen, verfilzten Fell, machte einen so jämmerlichen Eindruck, dass es den beiden zu Herzen ging, und Renate Lorenz voll von Anteilnahme und Sympathie wohl nicht anders konnte. Sie griff zu, packte den verwahrlosten Vierbeiner mit der feuchten Schnauze, der den Namen Muc-Muc, wörtlich übersetzt „Popel“, bekam, mit ins Rückreisegepäck – und griff auch in Sachen Susi aus Dresden zu. Denn Susi war in ausgiebiges Plaudern gekommen, berichtete von ihren aufstrebenden Zukunftsplänen und dass sie nach dem in Kürze zu erwerbenden Schulabschlusszeugnis nichts lieber täte, als eine Ausbildung zur Tierarzthelferin zu beginnen. Renate Lorenz, wie gesagt, griff zu und lud Susi zum Vorstellungsgespräch nach Berlin-Lichterfelde. Und weil dies alles nicht nur die schöne Laune eines viel zu heißen Sommers war, kam Susi nach dem Urlaub prompt mit dem nächsten Zug, absolvierte Praktikum und Ausbildung mit Bravour und ist seitdem im Team Lorenz nicht mehr wegzudenken.

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Tierarztpraxis Dr. Renate Lorenz

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